
6 horas se convirtieron en 8 – típicamente colombiano?
Nix mit duschen! Das Wasser blieb leider bis zu unserer Abreise morgens aus. Die liebenswerte Vermieterin Marta, entschuldigte sich und meinte, dass sie nichts dafür könne. Das wussten wir natürlich. Darauf hat man keinen Einfluss. Sie meinte auch, dass wir immer wieder gerne bei ihr übernachten könnten. Sie hatte in der Wohnung gleich mehrere AirBnB Zimmer mit eigener Küche und Bad. Wir erzählten ihr bei unserer Abreise von unserem nächsten Reiseziel Neiva, da dieses nah an der Tatacoa-Wüste liegt, die bei vielen Touristen noch relativ unbekannt ist. Tatsächlich verriet sie uns, dass sie gebürtig aus dieser Stadt kommt. Von der Einwohnerzahl mit Münster oder Alcalá de Henares in Madrid (wo wir zuletzt gewohnt haben) zu vergleichen. Knapp 300.000 Einwohner.

Wir machten uns nochmal ungeduscht, aber mit einer gründlichen Katzenwäsche auf den Weg zum gestrigen Café und bestellten uns danach ein Cabify zum Busterminal von Bogotá. Auch interessant am Rande zu erwähnen ist, dass die Spritpreise zumindest für Diesel hier sehr günstig sind verglichen mit unseren. Für kolumbianische Verhältnisse vielleicht nicht. Für uns schon. Eine Gallone kostet 9000 Pesos, das sind gerade mal etwas über 60 Cent pro Liter. Das wirkt sich natürlich auf die Fahrpreise, die Kunden angeboten aus. Deswegen ist Bus und Taxi fahren für Touris hier Recht erschwinglich. Der Benzinpreis liegt aber leider höher, bei 15000-16000 Pesos. Wie wir auch von unserem gestrigen Taxifahrer erfuhren, ist dies eine politische Folge der Regierung wonach sich die Benzinpreise verdoppelt haben, also um 100% angestiegen sind. Die Dieselpreise waren übrigens auch niedriger vor der letzten Legislaturperiode. Wir unterhielten uns wieder mit einem Taxifahrer über unsere nächsten Reiseziele und er gab uns viele Tipps welche Ort wir besuchen sollte, unter anderem viele Tipps für die Stadt Cartagena an der Karibikküste. Die ist bei uns schon als letzte Station in Kolumbien eingeplant. Am Terminal angekommen wurden wir hin- und hergeschickt. Von Schalter zu Schalter. Eine richtige Information wo der Bus genau abfahren würde gab es nicht. Es gab zwar Bildschirme, aber weder das Abfahrgate noch der Status wurden genannt. Effizient ist zwar anders, aber schließlich saßen wir im richtigen Bus. Man muss sich sehr viel durchfragen. In solchen Situationen waren wir immer froh, dass wir schon einiges an Spanisch verstehen können. Wir verstauten unser Gepäck sicher unter unseren Sitzen, sodass wir es immer griffbereit und im Blick hatten. Der Bus fuhr mit einer halben Stunde Verspätung los.

Was danach folgte kam einer Odyssee gleich.




Warum hatte der Busfahrer die ganze Zeit die Türe auf? Naja ganz einfach: So konnten immer wieder während der Fahrt als der Bus halten musste (sei es aufgrund von Ampeln oder Kreuzungen) Verkäufer einsteigen lassen, welche uns dann Essen und Trinken verkaufen wollten. Ziemlich skurril das Ganze.

Der Verkehr in Bogotá ist auch ganz anders als wir ihn kennen. Ladungssicherung ist nicht wie in Deutschland oder Europa allgemein. Guckt euch mal den Transporter mit den Ziegelsteinen an. Oben liegen nicht Gesichter Ziegelsteine. Bei uns wäre das sofort beanstandet worden. Wir sahen auch einen Rollerfahrer, der hinter sich stapelweise Eier transportierte oder einen Transporter aus dem dicke weiße Plastiksäcke hervorquollen. Ein interessanter Eindruck.

Als wir dann Bogotá verließen wurde die Tür auch geschlossen und kurz davor ging noch ein Mann in den Bus hinein, welcher wohl zusammen mit dem Busfahrer im weiteren Verlauf Geld verdienen würde. Aus Bogotá waren wir auch erst nach ganzen 1 1/2 Stunden raus. Riesige Stadt, Dichter Verkehr. Sie nahmen immer wieder Leute am Straßenrand mit und nahmen dafür natürlich Geld. Bloß, dass diese Art natürlich die normale Busfahrt verlängern würde. Verdutzt nahmen wir dies wahr. Dazu kam, dass hinter Bogotá eine lange Strecke Baustelle war, die uns ebenfalls verlangsamte.



Auch die Fahrt an sich war abenteuerlich. Die Federung des Busses war hinüber, wir saßen natürlich hinten wo wir jede kleine Bodenwelle spürten, und der Busfahrer kannte nur zwei Zustände. Vollgas und Vollbremsung. Ein Abenteuer durch und durch wobei uns auch schon ein wenig schlecht wurde. Man konnte schon fast sagen, dass wir uns ein wenig wie Seekranke vorkamen. Der Bus schien auch nicht ganz dicht, und es tropfte Kondenswasser von der Decke, aber zum Glück nicht bei uns. Aber immerhin war die Fahrt mit 84000 COP für uns beide zusammen recht günstig (umgerechnet knapp 20€).






Die Landschaft auf der Fahrt durch die Anden war wunderschön. Viele grüne Berge, Serpentinenstraßen, große reißende Flüsse und nach einer Weile ließen wir auch den Regen hinter uns und es klarte auf je mehr wir gen Süden fuhren.




Als wir dann kurz vor Neiva in eine Polizeikontrolle gerieten setzte sich der vermeintliche Fahrkartenkontrolleur neben uns auf einen freien Platz und meinte wir sollten nichts sagen. Er verdeckte etwas sein Gesicht und die Polizeikontrolle nahm ihren lauf, verlief aber ruhig und war auch schnell vorbei und der Bus konnte weiterfahren. Der Kontrolleur begab sich dann auch wieder vorne auf seinen Platz. Ziemlich interessant.



Angekommen in Neiva (nach 8 anstatt 6 Stunden) war es dann auch schon dunkel. So viele Leute mitzunehmen und immer wieder einzusammeln und an der Straße aussteigen zu lassen zog die Zeit echt in die Länge.
Wir nahmen uns also ein Taxi im Terminal, da hier Cabify nicht funktionierte aber auch nicht bekannt war. Wir fuhren dann in unser Hostel oder Airbnb (gebucht über Check24) und mussten feststellen, dass wirklich viele Mottenkokons (auch Teppichegel genannt) an den Wänden waren! Dies scheint in dieser Klimazone nicht ungewöhnlich. Jedoch waren es sehr viele und wir hätten uns gewünscht, dass man zumindest den Großteil beseitigen würde. Und auch die Dusche hatte nur eiskaltes Wasser aus einem Rohr zu bieten. Hierbei handelte es sich sogar um die teuerste Unterkunft bisher. Tobi wurde leider von der Whirlpoolbadewanne gelockt, welche auch nur eiskaltes Wasser hatte und dadurch wohl ebenfalls weg fiel. Laura hatte aber bei dem Anblick der Wanne, sowieso die Lust verloren. Die Unterkunft war aber auch generell nicht in einem wirklich sauberen Zustand. Jedoch war der Inhaber sehr nett und gab uns noch einige Tipps zu Neiva und der Tatacoa-Wüste. Auf solchen Rucksackreisen kommt soetwas auch immer wieder mal vor.

Erschöpft von der Fahrt gingen wir nur um die Ecke, holten uns ein wenig was zu trinken und zu essen und legten uns dann auch schon bald schlafen. Die Betten waren zumindest sauber.