Centros comerciales, lluvia y oro

Ursprünglich hatten wir für den Morgen geplant eine der berühmten geführten Fahrradtouren durch Bogotá zu machen. Da Sonntag morgen war sollte es besonders interessant sein, da in der Stadt jeden Sonntag von 8 Uhr bis 14 Uhr die großen Straßen für Autos gesperrt werden und man diese zusätzlich zum sonst schon sehr langen und gut ausgebauten Fahrradstraßennetz mitbenutzen darf. Wir machten aber einen Fehlschluss. Wir wohnten in unserem AirBnB in einem Viertel (Barrios Unidos – Santa Mónica), das nicht zentral liegt. Wir hätten zwar überall, auch laut Marta unserer Vermieterin Fahrräder mieten können, aber ich wollte gerne die Tour mit Führung machen und im zentralen Viertel La Candelaria starten. Dafür wollten wir uns per Cabify ein Taxi bestellen. Da es aber nach 8 Uhr war, bestätigte uns keiner die Fahrt. Es dauerte ein paar Minuten bis wir auf den Trichter kamen. Wahrscheinlich würden die Taxis sowieso nicht bis dort hin durchfahren können oder es wäre zumindest bei den vielen Sperrungen die Fahrt nicht wert oder zu nervig. Da sowieso Regen gemeldet war, machten wir alles richtig. Es war außerdem mal angenehm keine hohe Luftfeuchtigkeit zu haben und 18 Grad. Das sind wir ja auch Deutschland gewöhnt.

Nach ein bisschen Knatsch mit Tobi, weil ich gerne einen Plan habe und er meistens mehr spontan guckt, gingen wir los und suchten uns erstmal ein nettes Frühstückscafé. Dort frühstückten wir wieder zusammen für umgerechnet unter 10€ (ich glaube es waren nicht mehr als 40000 COP kolumbianische Pesos). Danach gingen wir in zwei Einkaufszentren, die nahe zu Fuß zu erreichen waren.

Wir hatten noch ein paar Besorgungen zu machen, die einfach nicht in Kuba zu finden waren. Beispielsweise Taschentücher, ein Nähset oder etwa Kokosöl für die Haut. Unser erster Eindruck war wir würden auf dem Weg nicht oft angequatscht, damit lagen wir aber schnell falsch. So aufdringlich wie die Kubaner waren die Kolumbianer zwar nicht, aber man wollte uns doch viele Dinge verkaufen oder Dienste anbieten, die wir nicht annehmen wollten. Insgesamt waren es aber weniger Leute, die verkauften. Kurz vor dem zweiten Einkaufszentrum lief Tobi ein Schuhputzer hinterher, Tobi lehnte dankend ab, aber er ließ nicht locker und rannte ihm weiter nach. Dabei ließ er anscheinend etwas vom Schuhputzmittel auf Tobis Lederschuhe seines Vaters tropfen, ob absichtlich oder ausversehen sei dahingestellt. Ich war gerade einen kleinen Bogen gelaufen und machte Tobi darauf aufmerksam, der daraufhin direkt das Gesicht verzog. Ich erklomm schon die Stufen zum Einkaufscenter und drehte mich um, da ließ Tobi schon den Schuhputzer, der sich entschuldigte und sich an die Arbeit machte den Fleck von Tobis Schuh wegzuputzen, weil Tobi kurz stehen blieb und unschlüssig war. Ich dachte mir schon, das könnte eine Masche sein, um uns im Nachhinein für den „Dienst“ Geld abzuluchsen. Ich verdrehte die Augen und guckte ins Gesicht eines Sicherheitsbeamten der zweiten Mall, in die wir wollten. Er sah zu mir und dann zu der Szenerie auf den Treppen und schloss nur die Augen und schüttelte leicht den Kopf geneigt zu Tobi und dem Schuhputzer. Meine Ahnung bestätigt, wirkte ich auf Tobi ein und wir gingen schnell weiter ins Einkaufszenter. „Tobi, der nimmt dir nachher Geld ab“, sagte ich nur. Tobi war zu der gleichen Ansicht gelangt. Wir ließen ihn hinter uns und der Sicherheitsbeamte verscheuchte den Schuhputzer von dem Eingang des Einkaufscenters.


Im Einkaufscenter verbrachten wir eine Weile. Es war eine ganz andere Welt als auf Kuba. Dort gab es vieles wieder im Überfluss. Es gab Klamottenläden, die auf Kuba sehr rar waren. Von großen Ketten, die wir kannten, gab es dort sowieso nichts. Das war hier wieder anders. Viele Fastfoodläden gab es in der obersten Etage, so wie auch ein Kino. Das erinnerte uns stark an die Einkaufszentren (Centro Comerciales) in Spanien. Außerdem gab es Drogerien und auch etwas größere Supermärkte. Ein ganz anderes Bild als auf Kuba. Hier gibt es zwar auch arme Menschen und Bettelei, aber Kolumbien ist gesamtwirtschaftlich eine ganz andere Nummer als Kuba. Hier erschien es uns als hätte man mehr Möglichkeiten und Chancen, als im restriktiven Kuba. Es gab einen riesen Schauer und auch Gewitter weswegen wir froh waren, dass wir nun doch keine Fahrradtour unternommen hatten. Manchmal fügt sich doch alles wie es soll. Ich muss daran arbeiten das hinzunehmen und nicht mürrisch zu sein, wenn etwas mal nicht so klappt wie vorgestellt. Wir aßen diesmal sehr günstig in Fast-Food-Läden (4-5€ pro Person) und entschlossen uns bei nachlassendem Regen am Nachmittag rauszugehen und uns ein Cabify zu bestellen und noch in die Innenstadt nach La Candelaria bringen zu lassen. Diese Taxis sind einfach unschlagbar günstig. Wir bezahlten nur 20000 kolumbianische Pesos  (umgerechnet 5€). Durch zwei Personen macht das 2,50€.

Viel günstiger hätten wir den Bus auch nicht nehmen können und es war viel bequemer. Auch wenn wir sehr oft die riesen Ziehharmonika-Busse von TransMilenio an uns vorbeifahren sahen. Was wir außerdem geboten bekamen war total toll. Der Taxifahrer liebte anscheinend seinen Job und gab uns gewissermaßen auf der Fahrt eine Stadtrundführung mit vielen Erklärungen und Tipps zu der Stadt aber auch zu unserem weiteren Aufenthalt in anderen Städten Kolumbiens. Er unterhielt sich angeregt mit uns und war auch interessiert wo wir herkamen. Einmal bei einer roten Ampel, kam ein Bettler zum Auto und schlug mehrfach unten dagegen. Der Fahrer erklärte uns, dass er immer ein paar 100, 200, 500, 1000 Pesomünzen im Auto hat und sie ihnen gibt, damit sie weiterziehen und nicht ggf. böser werden. Das waren wir auch nicht gewohnt, aber wir waren sehr dankbar für diesen Tipp. Dies kam aber vor allem in La Candelaria vor, einem nicht ungefährlichen Stadtteil wenn es um Drogen und auch um Armut geht. Vor allem in der Nacht. Deswegen hatten wir uns entschieden dort kein Hostel zu nehmen um noch nach Anbruch der Dunkelheit rauszugehen und etwas zum Essen zu suchen.


Wir ließen uns am Museo del Oro absetzen und bedankten uns vielmals mit Worten und auch etwas Trinkgeld für die tolle Fahrt und die nette Unterhaltung.


Der Eintritt ins Museum war frei, daran hatten wir nicht gedacht. Schöne Überraschung. Alle Museen in Bogotá kosten am Sonntag keinen Eintritt. Das Museum del Oro (Museum des Goldes) ist groß und so ziemlich das bekannteste in Bogotá und einen Besuch wert. Dort sind viel Goldschmuck, kleine Figuren oder andere gebräuchliche Gegenstände von indigenen Urvölkern von Hand hergestellt worden, lange bevor Kolumbien von den Spaniern kolonialisiert und besiedelt wurde.

Kolumbien weist eine humane Geschichte auf, die bis zu 15000 Jahre zurückliegt. Die Kolonialisten kamen erst gegen Ende des 15. Jahrhunderts nach Kolumbien. Ein sehr kleiner Zeitabschnitt der dem entgegensteht. Und doch hat sich so schnell so rasend viel verändert. Die Sprache, die Leute, die Modernisierung und die Industrie. Das Land wurde von zwei Kolonialisten zu Ehren von Kolumbus so benannt wie es heute heißt. Kolumbus selbst hatte dieses Fleckchen Erde aber nie betreten.


Das Museum bietet Erklärtafeln auf Spanisch und Englisch. Es gibt wahnsinnig viele Ausstellungsstücke. So viele kleine Ohrringe oder Figürchen bis hin zu großen Gegenständen, die mit Gold überzogen wurden, um es vor Korrosion zu schützen und zu erhalten. Das taten sie beispielsweise mit einer großen Muschel.
Die Gewinnung fand zum Großteil in Flüssen statt, wie wir erfuhren. Nicht nur Gold, sondern auch Silber, Kupfer und Platin wurden gewonnen und waren dort ausgestellt. Kolumbien ist was das angeht ein sehr ertragreiches Land.


Anschließend gingen wir noch durch die großen Straßen, die mit vielen vielen großen Marktständen von Klamotten bis hin zu typisch kolumbianischer Kost gesäumt waren, bis hin zum Plaza de Bolívar.
Dort stehen die große Basílica Metropolitana de Bogotá Catedral Primada de Colombia. Eine Kathedrale aus der Kolonialzeit.

Außerdem sind dort der Palacio de Justicia und das Capitolio Nacional de Colombia zu sehen und noch einige weitere imposante Gebäude. Leider waren aber viele Gebäude mit Tüchern verhangen, augenscheinlich wegen Sanierungsarbeiten oder ähnlichem. Wenn man dort steht und auf die dahinter liegenden Berge sieht, wirkt das alles schon sehr imposant.


Wir machten uns wieder mit Cabify auf den Rückweg zu unserem AirBnB und bekamen wieder einen äußerst freundlichen Fahrer, der uns auch wieder ganz viel über Bogotá erklärte. Was wir noch nicht wussten war, dass es ganz viele Bereiche gibt in denen die immergleichen Läden nebeneinander stehen. Das geht mehrere blöckeweise so. Wir fuhren gerade an ganz vielen Optikern vorbei und stellten mit Erstaunen fest, dass es das auch für alles rund ums Auto gibt oder an einem Ort ganz viele Technikläden. Für den Konsumenten gar nicht schlecht, da er den direkten Preis- und Qualistätsvergleich hat und alle Konkurrenten und Alternativanbeiter zu Fuß zu erreichen sind.
Wir passierten das große Stadion und eine Konzerthalle an der großen Bundestraße NQS, die uns zu unserem Hostel zurückführte. Auch interessant ist, dass in Kolumbien in allen Orten die Straßen nummeriert sind. Uns wurde erklärt, dass es zwar Straßennamen gibt, aber die Leute eigentlich nur die Nummerierung nutzen um sich zurechtzufinden und zu navigieren. Für uns erstmal gewöhnungsbedürftig und eine Umstellung. Da kann man sich auch irgendwie schnell vertun.


Gegen Abend gingen wir nur nochmal in die Foodhall, da am Sonntag leider viele Restaurants zumachten, was wir vorab nicht wussten und schauten noch ein wenig kolumbianisches Fernsehen in unserer kleinen Habitación (dt. Zimmer).

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